30.03.2022

«Roboter sollen mehr als nur eine Spielerei sein»

Unternehmen

In den Kernkraftwerken Leibstadt und Beznau hält die Digitalisierung Einzug. Ihren Nutzen sieht Michael Kessler, Leiter Asset Management Nuklear des Energiekonzerns Axpo, auch in der Attraktivität als innovativer Arbeitgeber.

Sophie und Spot heissen zwei ganz spezielle Mitarbeitende in den Kernkraftwerken Beznau und Leibstadt, die zum Axpo-Kraftwerkspark gehören. Was tun sie dort?

Michael Kessler: Sophie vermisst im Kernkraftwerk Beznau sämtliche Räume mit Lasersensoren, Spot hat in einem zweiwöchigen Test im Kernkraftwerk Leibstadt Strahlenkarten erstellt. Das Spezielle ist: Die beiden sind Industrieroboter und können als solche gefahrlos in die Bereiche unserer Anlagen vordringen, die für Menschen potenziell gefährlich sind.

Hat Spot den Test bestanden?

Kessler: Das Thema Robotik ist ein noch ganz junges Pflänzchen bei Axpo. Wir machen die ersten Schritte aus der Theorie heraus und haben eine Gruppe von Mitarbeitenden formiert, die sich werksübergreifend für Digitalisierungsthemen interessiert und auch Spass daran hat. Solche Tests dienen dazu, den Nutzen von Robotik zu erkennen. Ihr Einsatz soll ja mehr als nur eine Spielerei sein.

Und ist er das?

Kessler: Junge, digitalaffine Mitarbeitende sehen definitiv ein Potenzial darin und sind schnell begeistert. Langjährige Werksmitarbeitende sind vielleicht erst einmal etwas skeptischer, weil sie auch mögliche Risiken wittern – das liegt sozusagen in ihrer DNA. Hier braucht es die richtige Mischung.

Wo liegt aus Ihrer Sicht das Potenzial?

Kessler: In verschiedenen Bereichen: wie gesagt etwa in der Reduktion der Strahlungsexposition der Mitarbeitenden. Vor Instandhaltungsarbeiten durch Menschen kann ein Roboter oder eine Drohne einen Ort auskundschaften, sprich die Radioaktivität messen und eine dreidimensionale Karte erstellen. Ausserdem können Roboter mit Kameras, Mikrofon und anderem Messequipment in aller Ruhe Störungen identifizieren, zum Beispiel Leckagen im Bereich von Dichtungen.

Wie geht es jetzt weiter?

Kessler: Wir sind in der Phase «Proof of Concept» – das heisst, wir prüfen, ob Industrieroboter in unseren Anlagen überhaupt einsetzbar sind und werten die Feedbacks der Mitarbeitenden aus. Andererseits prüfen wir, welche Infrastruktur es bräuchte, um Roboter dauerhaft einsetzen zu können. Zum Beispiel WLAN. Ein solches Funknetz ermöglicht die Übertragung von Messdaten. Es darf aber die Anlagensicherheit keinesfalls schmälern.

Die Roboter sind Teil der Axpo-Innovationsinitiative Nuclear 4.0. Ein anderes Projekt ist die Datenanalyse. Warum?

Kessler: Weil in einem Kernkraftwerk sehr viele Daten anfallen. Indem wir Komponenten mit Sensoren bestücken, können Instandhaltungsarbeiten besser prognostiziert werden. Das nennt man condition-based oder predictive Maintainance. Smart Data erleichtert aber auch die Fehlersuche: Je mehr Daten vorhanden sind, desto einfacher ist es, die Ursache von Problemen zu analysieren und zu beheben.

Gemäss Energiestrategie 2050 dürfen Kernkraftwerke so lange betrieben werden, wie sie sicher sind. Soll Nuclear 4.0 zu einer möglichst langen Laufzeit beitragen?

Der Fokus der Initiative liegt auf dem sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der bestehenden Anlagen und dem dereinst bevorstehenden Rückbau. Sie müssen sich vorstellen, dass die Stilllegung eines Kernkraftwerks extrem komplex und langwierig ist. Es ist dafür sehr viel Handarbeit nötig, und mit Hilfe der Digitalisierung können wir die Effizienz steigern. Zerlegte Teile dekontaminieren müssen nicht unbedingt Menschen in Schutzanzügen und mit Hochdrucklanze; das liesse sich automatisieren, wie es in anderen Industrien normal ist. Nuclear 4.0 hat aber auch einen wichtigen HR-Aspekt.

Welchen?

Kessler: Wir signalisieren damit unsere Attraktivität als Arbeitgeber für die Fachkräfte, die wir brauchen. Innovative Arbeitnehmende erwarten, dass ihre Firma mit der Zeit geht und neue Technologien einsetzt. In Leibstadt stammt ja bald nur noch der Reaktor aus dem Jahr 1984, viele andere Komponenten wurden in der Zwischenzeit ausgetauscht oder modernisiert. Feldversuche mit Robotern sind deshalb auch ein wichtiges Recruitment-Tool.

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Innovative Arbeitnehmende erwarten, dass ihre Firma mit der Zeit geht und neue Technologien einsetzt.
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Michael Kessler, Leiter Asset Management Nuklear Axpo

Sie haben lange Jahre bei Siemens gearbeitet und kamen 2009 zum Kernkraftwerk Leibstadt. Was bewog sie damals zum Wechsel?

Kessler: In meiner Schulzeit waren in Deutschland die Kernkraftwerke im Bau. Ihre Energiedichte faszinierte mich schon damals. Den Bau des KKW Philippsburg bei Karlsruhe habe ich mir vor Ort angeschaut. Nach dem Studium landete ich im Gasturbinengeschäft. 14 Jahre später wollte ich einfach mal etwas anderes machen. Deshalb nahm ich das Angebot an, im KKW Leibstadt Leiter Maschinentechnik zu werden.

Heute leiten Sie das Asset Management Nuklear der Axpo und sind Geschäftsleitungsmitglied der Kernkraftwerk Leibstadt AG. Auch schon fast wieder 14 Jahre…

Kessler: Trotzdem habe ich keinerlei Bedürfnis für eine Veränderung. Ich bin ja 2020 von einem Werk in die Zentrale gegangen. Diese neue Perspektive ist reizvoll, die Position sehr abwechslungsreich. Mein Team und ich kümmern uns nicht nur um die verschiedenen Axpo-Beteiligungen im Nuklearbereich und zunehmend um das Thema Innovation/Digitalisierung. Wir schauen auch, was sich in Sachen Stilllegung und Entsorgung tut – und weltweit in Sachen neue Kernkraftwerke. Zudem sind wir eine Drehscheibe für talentierte Mitarbeitende, die bei uns eine Art Austauschprogramm absolvieren und sich dadurch weiterentwickeln können. Diese Programme möchte ich gern ausbauen.

Axpo ist über Beteiligungen international aufgestellt. Sind auch Auslandeinsätze denkbar?

Kessler: Weniger über Beteiligungen als über Mitgliedschaften: Wir sind über internationale Organisationen und Veranstaltungen gut vernetzt in der Kraftwerksbranche und bieten unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit, in diesen Gremien Einsitz zu nehmen und aktiv mitzuarbeiten. Zudem pflegen wir einen regen und offenen Austausch mit «Schwesteranlagen» im Ausland.

Ist Mehrsprachigkeit von Vorteil, wenn man bei Axpo arbeiten will?

Kessler: Ja. Wir sind inzwischen so stark international unterwegs, dass sie für Jobs in der Konzernzentrale sogar erwünscht ist.

     

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